Übergewicht ist für Hunde nicht nur ein kosmetisches, sondern ein tiefgreifendes gesundheitliches Problem. Wie Sie mit einfachen alltagstauglichen Tipps gegensteuern können.
Allzu oft wird Liebe mit Leckerlis bestätigt. Über kurz oder lang wirkt der Hund etwas zu klein für sein Gewicht. Leider ein Negativtrend in unserer Gesellschaft.
Bereits 1 Kilo fällt ins Gewicht. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil adipöser Hunde um 66 Prozent gestiegen, wie eine aktuelle Erhebung aus den USA zeigt. Das bestätigt auch eine Umfrage der Tierärztekammer Wien unter 82 TierärztInnen nach der Corona-Pandemie. Fest steht: ab 10 Prozent mehr Gewicht auf den Rippen spricht man von Übergewicht. Das bedeutet: Bei einem 100-Kilogramm schweren Erwachsenen sind das 10 Kilo. Bei einem 10 Kilo schweren Hund lediglich 1 Kilogramm. Lediglich 1 Kilogramm, das bereits zu Lasten der Gesundheit geht. Denn Übergewicht belastet – die Gelenke, die Knochen, das Herz, die inneren Organe. Übergewicht macht träge, müde und der Hund ist eingeschränkt in einer seiner wichtigsten Beschäftigungsmöglichkeiten – der Bewegung, dem Laufen, dem Spielen, dem Herumtollen. Übergewicht begünstigt die Entstehung von vielen „Zivilisationskrankheiten“ wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs. Und noch etwas steht fest: Übergewicht verkürzt die Lebensdauer. Übergewicht ist also ein ernstzunehmendes medizinisches Problem, wenngleich es auch Risikofaktoren gibt, die es begünstigen wie eine Kastration, bestimmte Medikamente, Alter, bestimmte Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, aber auch Rassedispositionen – wir kennen sie alle, die kleinen Nimmersatts, von Cocker Spaniel bis Labrador Retriever.
Übergewicht erkennen. Doch ist es nicht immer so leicht, Übergewicht auch richtig zu erkennen. Denken wir an die verschiedenen Rassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: in der Größe, im Körperbau, in der Fellbeschaffenheit. Man kann das Idealgewicht nicht alleine an der Zahl auf der Waage festmachen. Oder einfach eine Zahl berechnen, wie beim Menschen den BMI. Beim Hund gibt es daher den Body Condition Score – die gebräuchlichste Methode ist jene nach Laflamme, bei der der Hund anhand der Bauchlinie und Taille nicht nur in 9 Stufen von sehr dünn bis sehr fett eingeteilt wird, sondern auch an für die Fettablagerung charakteristischen Körperregionen abgetastet wird.
Für einen normalgewichtigen Hund gilt: die Bauchlinie führt vom Brustkorb zur Leiste hin klar nach oben, die Taille ist deutlich sichtbar, die Rippen sind bei leichtem Druck mit den Händen fühlbar und nur von einer minimalen Fettschicht überzogen.
Ein guter Tipp: Die Rippen sollten sich so auch zählen lassen. Ist das nicht möglich, sollte der Hund abnehmen. Ganz wichtig ist: Welpen und Hunde im Wachstum dürfen niemals abnehmen und auch nicht auf Diät gesetzt werden! Hier arbeitet man mit individuellen Wachstumskurven.
stark untergewichtig
Rippen, Wirbelsäule und Hüftknochen sind sichtbar, die Taille zieht stark ein
leicht untergewichtig
Rippen und Knochen sind leicht erkennbar, deutliche Taille sichtbar, Bauchlinie geht stark nach oben
normal
Rippen sind unter einer dünnen Fettschicht gut tastbar, Taille erkennbar, Bauchlinie zieht nach oben
leicht übergewichtig
Rippen nur mit Druck tastbar, keine Taille erkennbar, die Bauchlinie fast waagrecht
stark übergewichtig
der Hund wirkt rundlich, hat ausgeprägte Fettpolster, Bauchlinie macht einen Bogen
Kalorienbomben entlarven. Um nun gegenzusteuern ist der allerwichtigste Punkt das Entlarven der Energiequellen und Kalorienbomben. Also: was bekommt der Hund tatsächlich über den Tag verteilt zu fressen? Wie fetthaltig ist sein Futter? Wie Kalorienreich seine Leckerlis? Bekommt er etwas vom Tisch ab? Denn eines steht fest: liegt keine Krankheit zugrunde, sind die häufigsten Ursachen für Übergewicht Bewegungsmangel und Überfütterung. Wissen wir erstmal, woher das Zuviel an Energie kommt, können wir auch bewusst gegensteuern.
Der Hund braucht Energie und das täglich, für seinen Stoffwechsel, für überlebenswichtige Abläufe im Körper. Zu den energieliefernden Nährstoffen im Napf zählen Proteine, Fette und Kohlenhydrate, wobei der Hund am einfachsten seine Energie aus hochwertigem Fett ziehen kann. Ein Zuviel an Energie wird aber in Fettdepots eingelagert, er nimmt also zu. Werfen wir nur mal einen Blick auf Kausnacks. Wussten Sie zum Beispiel, dass 100 g Ochsenziemer bereits 500 Kilokalorien mitbringen? Oder 100 g getrocknete Rinderlunge ca. 340 kcal? Zum Vergleich: eine Karotte ist ein von den meisten Hunden gern genommener Kausnack, von dem 100 g lediglich 30 kcal liefern. Wiegen Sie doch mal den Kausnack ihres Lieblings ab und schauen Sie, wie viel Kalorien er so gleich zu sich nimmt. Meiden Sie Dickmacher. Wichtig ist, das Hauptfutter nicht einfach zu halbieren, damit der Hund dennoch all seine benötigten Nährstoffe erhält und nicht in eine Mangelernährung kommt. Denn bekommt er damit etwa zu wenig Eiweiß, führt das zu einem Muskelabbau, den man fälschlicherweise mit einer Gewichtsreduktion verbindet. Abnehmen verlangt auch etwas vom Körper, weshalb wir ihn gerade in dieser Zeit optimal versorgen sollten. Außerdem sollte das Abnahmen sehr langsam erfolgen, damit der gesamte Körper mit der Reduktion mitkommt und sich nicht der berühmte Jojo-Effekt einstellt. 100 g pro Woche weniger auf der Waage sind optimal.
Das Thema Leckerlis. Und haben Sie auch schon mal die Leckerlis abgezählt, der der Hund so über den Tag verteilt abstaubt? Meist sind es dann doch mehr als gedacht. Der Nachbar, der Postler, die Oma, der Gatte – alle meinen es meist zu gut mit dem Vierbeiner. Zählen Sie sie am besten wirklich ab und setzen Sie auf kalorienarme Alternativen wie Apfelstücke, Gurkenstücke, gekochter Brokkolistrung (bitte nie roh, da sehr blähend) oder eben Karotten für Zwischendurch. Um dem Hund seine Diät nicht allzu schwer zu machen, kann man auf Füllstoffe setzen, die sättigen und den Napf nicht leer wirken lassen. Das sind zum Beispiel in Wasser eingeweichte Flohsamenschalen (1 TL pro 10 kg Körpergewicht pro Tag), Zellulosefasern, Blattsalate oder auch geriebene rohe Karotten oder Süßkartoffeln.
Bewegung darf nicht fehlen. Die Ernährung und Reduktion der Energieaufnahme ist die eine Säule, die andere ist die Bewegung. Auch hier gilt: steigern Sie langsam, damit sich auch die Gelenke daran gewöhnen können. Und passen Sie die Art und das Ausmaß an Ihren Hund an. Nicht jeder findet alles lustig und nicht alles passt zu jedem. Im Grunde gilt dasselbe wie für uns Menschen: beginnen Sie einfach mit ausgedehnteren Spaziergängen, steigern Sie zum Beispiel jeden Tag um nur eine Minute, dann sind es am Ende der Woche schon 7 Minuten länger. Stecken Sie sich realistische Ziele, belohnen Sie Ihren Liebling auch ab und zu mit einem „Schlemmertag“ und haben Sie Geduld. Im Idealfall sollte eine Diät in eine Ernährungsumstellung übergehen. Dann bleiben die Erfolge auch langfristig erhalten.
